Montag, 14. März 2011

Atomkraft - Die Geisterdebatte

„Die deutschen Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt.“
„Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben.“
„Das Restrisiko ist nur eine mathematische Größe.“
„Die Technik ist vom Menschen nicht zu beherrschen.“

Man hatte diese Diskussion, das Abfeuern leerer Worthülsen hüben wie drüben, mit dem beschlossenen Atomausstieg fast verdrängt gehabt. Dann hat die Laufzeitverlängerung der derzeitigen Koalition die schlafenden Hunde wieder geweckt und seit Japan am Rande einer atomaren Katastrophe balanciert, werden die Phrasen wieder aus allen Rohren abgefeuert.

Ausgerechnet Umweltminister Norbert Röttgen hat keine Lust mitzuspielen. Der Mann, der nie den Eindruck gemacht hat, als sähe er sich zum Umweltminister berufen und der auch für die beschlossene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken keine Begeisterung entwickelte, will nicht über die strengsten Sicherheitsstandards der Welt, die sichersten Atomkraftwerke reden.

Die Grünen haben mit Begeisterung ihre „Atomkraft – Nein, danke!“ – Buttons entstaubt, die FDP hatte die „Deutsche Atomkraftwerke sind sicher“ – Gebetsmühlen in Stellung gebracht und der Kanzlerin hat jemand einen vergilbten Spickzettel zugesteckt auf dem steht: „Entweder die sichere deutsche Atomenergie oder die ganz furchtbar unsichere französische.“ Der SPD tun schon die Knochen weh, so sehr klopft Herr Gabriel der Partei für den damals ausgehandelten Atomausstieg auf die Schulter.

Nur der Umweltminister verweigert sich dem reichhaltigen Arsenal abgedroschener Phrasen. Er will die Atomenergie von Grund auf neu denken. Er will darüber nachdenken was Sicherheit ist, das Kampfargument „Restrisiko“ wieder zu einem Begriff mit Inhalt machen und vom gefühlten Atomkonsens zu einem echten, gesellschaftlichen Konsens kommen.

In der Debatte, die der Mensch Norbert Röttgen wohl alleine mit dem Umweltminister Norbert Röttgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit führen wird, gibt es im Grunde nur zwei elementare Fragen zu beantworten.

Die eine Frage ist eine Gewissensfrage: Wenn jeder Super-GAU unvermeidbar in einer Katastrophe kleineren oder größeren Ausmaßes mündet, müsste die Atomtechnik absolut sicher sein, um sie einzusetzen. Besteht aber ein Restrisiko – und sei es auch nur mathematisch – muss man entweder auf die Atomenergie verzichten oder man muss eine mögliche atomare Katastrophe bewusst in Kauf nehmen.

Die andere Frage ist: Selbst wenn es jetzt ein Endlager für den Atommüll dieser und vergangener Generationen gäbe, so muss die strahlende Hinterlassenschaft dauerhaft gehegt und kontrolliert werden, was Geld kostet und kosten wird. Angesichts der Folgekosten der Atomenergie, die über Jahrhunderte gezahlt werden müssen, ist die Atomenergie wirklich lukrativ? Und, ist es eigentlich vertretbar, dass sich hunderte kommende Generationen mit den Folgen des Energiekonsums dieser Generation auseinander setzen müssen?

Sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, wäre auf jeden Fall lohnender als immer wieder aufs Neue zu Behaupten, dass Ingenieure in Kernkraftwerken nicht wissen was sie tun oder so zu tun, als sei Kernschmelze ein Phänomen, das immer nur anderen passieren kann.

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